Filmfest München 2014 | Eindrücke

Vom 28.6. bis 5.7. war wieder Filmfest in München. Es gab viel zu gucken und ich habe mich auf deutsche Produktionen konzentriert. Einige deutsche Filme waren richtig gut. Einer davon ist:

EIN GESCHENK DER GÖTTER“ | Regie: Oliver Haffner

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Inhalt: Eine arbeitslose Schauspielerin coacht schwer vermittelbare Arbeitslose.
Eine Komödie mit Tiefgang. Vor allem Katharina Marie Schubert hat mich in der Rolle der Schauspielerin beeindruckt. Sie spielt fein und authentisch und setzt sich nicht auf Pointen. Ich hab ihr sehr gerne zugeschaut/zugehört. Auch das Ensemble der Arbeitslosen ist gut gecastet (Casting: Stephanie Maile zusammen mit dem Regiesseur). Ich fand vor allem schön, dass hier zum Teil Charaktere besetzt wurden, die man sehr selten im deutschen Film und Fernsehen sieht.
Oliver Haffner, der auch das Drehbuch geschrieben hat, gewinnt mit diesem Film den B3-Publikumspreis und die ganze Produktion den Förderpreis „Neues Deutsches Kino“. Wann der Film in die Kinos kommt, steht noch nicht fest. Geht rein, wenn ihr ihn irgendwo findet!

BE MY BABY“ | Regie: Christina Schiewe

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Dieser Film hat mich dieses Jahr von allen gesehenen am meisten beeindruckt. Als ich die Inhaltsangabe gelesen habe, konnte ich mir zunächst nicht vorstellen, wie diese Geschichte fiktional filmisch umgesetzt werden soll. Aber ich war am Ende restlos beeindruckt und ergriffen.
Inhalt: Ein junges Mädchen mit Down-Syndrom entdeckt das Leben und die Liebe. Sie wird schwanger. Soll/darf sie das Kind bekommen?
Diese aber noch viele andere Fragen stellt der Film. Christina Schiewe hat dabei keine Angst, solche Fragen zu stellen, die oftmals tabusiert werden. Aber sie tut das humorvoll, lebensbejaend, mit unglaublich viel Liebe und Einfühlungsvermögen. Diesen Film verlässt man garantiert anders, als man in betreten hat. Ich war restlos beeindruckt vom schauspielerischen Talent von Carina Kühne der Hauptdarstellerin. Ich habe eine Liebesgeschichte erlebt, einen Film über das Leben. Ich musste lachen und weinen und verlies das Kino beglückt. „Be My Baby“ erhielt den Förderpreises Deutsches Kino in der Kategorie „Drehbuch“.

BAYERN UNGESCHMINKT | BFFS

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Das Wort „ungeschminkt“ steht dafür, dass hier Schauspieler im Castingstudio einfach mal frei von der Leber weg erzählen, sich vorstellen, singen, tanzen, Dialekt sprechen, uvm. Die Castingdirectors Iris Baumüller und Marc Schötteldreier haben dieses Konzept zusammen mit Julia Beerhold (BFFS Vorstand) zunächst für den Raum NRW ins Leben gerufen. SchauspielerInnen können sich hier ein wenig anders, persönlicher, direkter präsentieren als auf ihren Showreels. So können Castingdirectors vielleicht neue und weitere Eindrücke bezügleich eines/er Schauspielers/erin erlangen. Die Vorstellung der 15 besten Videos, die von einer hochkarätigen Regie ausgewählt wurden, im Mathäser Filmpalast war ein voller Erfolg, unterhaltsam und inspierierend. Diese BFFS Aktion ist auch für weitere Standorte, wie Berlin und Hamburg, geplant.

ISABELLE HUPPERT

Isabelle Huppert im Gespräch. Auf die Frage, ob sie in ihren Rollen sich selbst oder ihr Leben spielen würde, meinte sie, dass ihr Leben dann ja ein Alptraum wäre. Außerdem betonte sie, dass man immer mit jemanden spielt und das diese Interaktion das Entscheidende ist. Für sie ist die Kamera wie ein Mikroskop, so das man das Gegenteil von dem sagen kann, was man meint und dies dann eingefangen und sichtbar werden kann. Sie meinte auch, dass sie sich manchmal als Schauspielerin fühlt und manchmal nicht. Ihre Philosophie ist, sich eher als Amateur zu fühlen, in dem, was sie tut. Es ist der unsicherere aber bessere Weg. Isabelle Huppert erhielt den CineMerit Award und stellte auf dem Filmfest ihren neuen Film „LA RITOURNELLE“ vor.

BAVARIA FILM EMPFANG

Der Bavaria Film Empfang fand im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Sensationell gute Jazzmusik, gute Currywurst, die leider zu oft auf dem Boden landete, weil in Öko-Waffel-Schälchen serviert….

LANDAUER – DER PRÄSIDENT“ | Regie: Hans Steinbichler

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Der FC Bayern gewann 1932 die erste Meisterschaft. Der damalige Präsident hieß Kurt Landauer. Der erste Präsident nach dem zweiten Weltkrieg hieß auch Kurt Landauer. Kurt Landauer war Jude. „Landauer – der Präsident“ erzählt eine Geschichte der Nachkriegszeit, zeigt, wie Vorurteile und Hass in der deutschen Gesellschaft weiter gährten, zeigt auch, wie ein deutscher Jude den jetzt erfolgreichsten, deutschen Fussballverein gerettet hat. Landauer blieb nach dem Krieg in München, obwohl er die Passage nach New York schon gebucht hatte, aus Liebe zu seinem Heimatland und zu seinem Fussballverein, dem FC Bayern. Kurt Landauer wurde am 13. November 2013 zum Ehrenpräsident des FC Bayern gewählt. Nach dem Film entstand eine angeregte Diskussion, warum der FC Bayern so lange für diesen Schritt gebraucht hat. Es wurde der Vorwurf erhoben, dass man Landauer zu lange bewusst die Würdigung verweigert habe, die er verdient.
In diesem Film geht es weniger um Fussball als vielmehr um die Deutsche Gesellschaft, um Leidenschaft und Identifikation. Es ist ein Fernsehfilm und er wird 2014 noch in der ARD laufen. Nicht versäumen!

 

DIE AUSERWÄHLTEN“ | Regie: Christoph Röhl

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„Die Auserwählten“ ist einer der Filme, die an die Nieren gehen. Thema sind die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule. Es ist ein Spielfilm und er wird erzählt aus Sicht einer Lehrerin (Julia Jentsch). Der Film schafft das Unfassbare greifbar zu machen. Die fiesen und unbegreiflichen Macht- und Abhängigkeitsstrukturen, die es möglich machten, dass über 20 Jahre mehr als 132 SchülerInnen missbraucht wurden. Opfer- und Tätermechanismen werden aufgezeigt und emotional nachvollziebar dargestellt. Warum kann so etwas überhaupt passieren? Dieser Film gibt Antworten. Gedreht wurde in Zusammenarbeit mit der Odenwaldschule, die sich sehr um eine Aufarbeitung bemüht, an Originalschauplätzen.
Im Herbst 2014 zu sehen in der ARD.

So, das war mein kleiner Rückblick. Wie immer wars sehr schön in meiner Heimatstadt. Freu mich auf nächstes Jahr.

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